Mehen (altägyptisch: „die Eingerollte“) ist eines der ältesten bekannten Brettspiele der Menschheit.
Mehen-Spiel mit Spielsteinen aus Abydos, 3.000 v. Chr., Neues Museum Berlin.
Es ist seit etwa 3000 v. Chr. belegt und war besonders im Alten Reich (ca. 2700–2200 v. Chr.) in der ägyptischen Oberschicht beliebt.
Das Spiel verschwand während der Ersten Zwischenzeit (ca. 2200–2050 v. Chr.) aus dem Alltag und aus dem archäologischen Befund – vermutlich im Zusammenhang mit religiösen oder gesellschaftlichen Veränderungen.
Während der Ersten Zwischenzeit verschwindet das Spiel vollständig.
Mögliche Gründe:
Wandel religiöser Vorstellunge
Bedeutungsverlust des Mehen-Kults
Politischer Umbruch
Konkurrenz durch andere Spiele (z. B. Senet)
Bemerkenswert:
Während Senet im Mittleren und Neuen Reich weiterentwickelt wurde, kehrte Mehen nie zurück.
Mythologische Bedeutung
Mehen war auch der Name eines Schlangengottes.
In den Pyramidentexten der 5. und 6. Dynastie wird die „Straße des Mehen“ erwähnt:
Mehen umschlingt den Sonnengott Re
Schutz auf der Reise durch die Unterwelt
Schutz des verstorbenen Königs
Das Spielbrett symbolisiert daher wahrscheinlich:
den kosmischen Weg
den Schutzkreis der Schlange
Wiedergeburt und zyklische Erneuerung
Mehen-Spielstein aus der 6. Dynastie.
Frühe Funde
Prädynastische Gräber in Deir el-Ballas
Grab des Königs Peribsen in Abydos
Bedeutende Darstellungen
Mastaba des Beamten Hesire (3. Dynastie)
Grab des Beamten Idu in Sakkara
(dort zusammen mit dem Spiel Senet dargestellt)
Insgesamt bekannt:
10 vollständige
4 fragmentarische Bretter
Bedeutende Darstellungen
Mastaba des Beamten Hesire (3. Dynastie)
Grab des Beamten Idu in Sakkara
(dort zusammen mit dem Spiel Senet dargestellt)
Insgesamt bekannt:
10 vollständige
4 fragmentarische Bretter
Form und Aufbau
Kreisförmiges Brett (Ø ca. 30 cm)
Darstellung einer spiralförmig eingerollten Schlange
72, 80 oder 90 Felder
Zentrum bildet der Schlangenkopf
Schwanz liegt am äußeren Rand
Die Felder sind oft segmentiert und teilweise farbig bemalt (z. B. schwarz-weiß oder mehrfarbig gestreift).
Materialien
Stein (z. B. Kalkstein)
Fayence
Holz (nicht erhalten, aber wahrscheinlich)
Teilweise mit königlichen Namen versehen
Ein berühmtes Exemplar befindet sich im British Museum in London.
Mögliche Spielregeln (Rekonstruktion)
Die genauen Spielregeln sind nicht überliefert und daher nahezu unbekannt. Rekonstruktionen basieren auf:
archäologischen Funden
Grabdarstellungen
Vergleichen mit dem sudanesischen Hyänenspiel
Wahrscheinlicher Spielablauf:
Bewegung im oder gegen den Uhrzeigersinn
Zugweite durch Wurfstäbchen oder Ratespiel mit versteckten Murmeln
Ziel: vom Schwanz zum Kopf gelangen oder vom Zentrum nach außen, eventuell Hin- und Rückweg
Möglicherweise gab es:
Schutzfunktionen durch Tierfiguren
Schlagmechanismen
· Gruppenbildung von Kugeln (strategische Elemente)
Spielbrett für Mehen samt zweier Kategorien von Spielfiguren
(c) British Museum, London
Vergleich: Das Hyänenspiel (Sudan)
Das heute noch im Sudan gespielte Hyänenspiel weist Parallelen auf:
Spiralbrett
Bewegung zum Zentrum (Brunnen)
Rückweg
„Verwandlung“ der Spielfigur
Gegnerische Figuren können geschlagen werden
Verbreitung außerhalb Ägyptens
Funde oder Relikte gibt es aus:
Kreta
Zypern
Naher Osten
Das sind Hinweise auf kulturellen Austausch im 3. Jahrtausend v. Chr.
Bedeutung in der Spielgeschichte
Mehen ist:
eines der ältesten bekannten Brettspiele
eines der frühesten Spiralspiele
ein Beispiel für die Verbindung von Spiel und Religion
möglicherweise ein Vorläufer späterer Renn- und Verfolgungsspiele
Es zeigt eindrucksvoll, dass Spiele im Alten Ägypten nicht nur Unterhaltung waren, sondern Teil eines kosmologischen Weltbildes.